Fest der Zürcher Stadtheiligen am Knabenschiessen-Sonntag 2025

Wenige Zürcher wissen, dass die Ursprünge des Knabenschiessens in der Feier der Zürcher Stadtheiligen Felix, Regula und Exuperantius liegen, deren Fest am 11. September begangen wird. Seit Beginn des 21. Jahrhunderts belebt die orthodoxe Kirchgemeinde Zürich dieses Fest mit einer Prozession und einer Feier, die von Anfang an einen starken ökumenischen Charakter hatte. Seit ein paar Jahren findet diese Feier immer am Knabenschiessen-Sonntag und nicht mehr am eigentlichen Fest der Heiligen statt.

Rund 300 Gläubige versammelten sich also am Fest-Sonntag bei strahlendem Herbstwetter auf dem Lindenhof, dem Ort des römischen Kastells, an dem die Heiligen dem Richter vorgeführt worden sein sollen. Die farbenfrohe und vielfältige Prozession zog singend durch die Zürcher Altstadt zum Fraumünster, dem mutmasslichen Ort der Folterung, und verkündete den Ruhm der Märtyrer den Touristen und Passanten. Nach besinnlichen Stationen vor dem Fraumünster und der Wasserkirche, beide an der traditionellen Prozessionsroute gelegen, zog die Prozession zum Grossmünster, wo früher die Gräber der Heiligen verehrt wurden.

Silvia Stefanos, Co-Präsidentin des Verbands orthodoxer Kirchen im Kanton Zürich, eröffnete den Festakt und dankte den Organisatoren und den zahlreichen Anwesenden für diesen schönen gemeinsamen Anlass. Priester Audrius Micka überbrachte die Grüsse von Bischof Joseph Maria von Chur, und Pfarrer Christian Walti sprach im Namen des gastgebenden Grossmünsters. Ein letztes Grusswort überbrachte die Religionsdelegierte des Kantons Zürich, Franziska Driessen-Reding. Alle drückten ihre Freude über den verbindenden Anlass aus und betonten die Notwendigkeit solcher überkonfessionellen Kooperation, ohne die Eigenheiten der beteiligten Kirchen zu verwischen.

Im ersten Teil der Feier führten Priester Audrius Micka, Grossmünsterpfarrer Christian Walti und der Präsident der katholischen Synode im Kanton Zürich, Guido Egli, durch die alttestamentlichen Lesungen der Märtyrer und leiteten den Gemeindegesang.

Im zweiten Teil zelebrierten Priester Daniel Schärer von der russischen Auferstehungskirche und Erzpriester Yordan Pahshev von der bulgarischen Georgskirche den Fürbittegottesdienst an die Stadtheiligen – ergänzt durch die inständige Bitte um Stärkung der Liebe und des Friedens. Im Gebet unterstützt wurden sie von Erzpriester Alexander Resimić von der serbischen Mariä-Entschlafens-Kirche, Priester Georg Lukić von der serbischen Dreifaltigkeitskirche und Erzpriester Romica Enoiu von der rumänischen Katharinenkirche. Die Responsorien wurden von Sängern des deutschsprachigen Notker-Chors der russischen Auferstehungskirche gesungen.

Im dritten Teil beteten Qommos (Abt) Isidoros el Anba Samuel von der koptischen Kirche der Heiligen Maria und Verena, Priester Schenuda Asaad vom koptischen Diözesansitz in Wien, Mönchspriester Lahdo Hanna aus dem syrischen Kloster St. Avgin in Arth und Priester Kifle Gyorgis Mengesha von der äthiopischen Kirche, unterstützt von ihren jeweiligen Chören. In einem bewegenden Wort erinnerte Abuna Schenuda an seine Begegnungen mit den Familien der Märtyrer, welche bei Anschlägen auf koptische Kirchen in den letzten Jahren zum Herrn gegangen sind. Er rief die Anwesenden auf, nach dem Vorbild der Märtyrer vom 3. bis ins 21. Jahrhundert die Auferstehung Christi ernst zu nehmen. Nur so – und wenn wir uns auf die gemeinsamen liturgischen Texte der Frühzeit besinnen – hätten wir eine Zukunft.

Der Anlass wurde beim geselligen Zusammensein in der Helferei des Grossmünsters abgerundet, wo die Teilnehmenden äthiopische, georgische, rumänische, ägyptische und serbische Spezialitäten geniessen konnten. Wir danken Gott und allen Teilnehmenden für dieses schöne und verbindende Fest. Unser besonderer Dank gilt dem Grossmünster und der Helferei für die grosszügige Gastfreundschaft.

Wunderbar ist Gott in seinen Heiligen.

Impressionen:

Text: Priester Daniel Schärer

Fotos: Franek Lewandowski